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Schmerzen beim Stillen –

Ursachen, Einordnung und Behandlung

Stillstand der Mühe einer Mutter_edited.

Schmerzen beim Stillen gehören zu den häufigsten Problemen in der Stillzeit und sind ein zentraler Grund für vorzeitiges Abstillen.
 

Stillen kann insbesondere in den ersten Tagen nach der Geburt vorübergehend ungewohnt oder mit einer erhöhten Empfindlichkeit der Brustwarzen verbunden sein. Anhaltende, starke oder zunehmende Schmerzen sollten jedoch abgeklärt werden.

Als Ärztin, IBCLC-Stillberaterin und Mutter unterstütze ich Sie gerne dabei, diese Ursachen zu erkennen und gemeinsam mit Ihnen einen individuellen, medizinisch fundierten Lösungsweg zu entwickeln.

Schmerzen zu Beginn der Stillzeit

 

In den ersten Tagen nach der Geburt können vorübergehende Beschwerden auftreten.

Dazu zählen beispielsweise Nachwehen durch Oxytocin-vermittelte Uteruskontraktionen und eine

erhöhte Empfindlichkeit der Brustwarzen zu Beginn der Stillbeziehung. Typisch ist ein kurzzeitiger Schmerz beim Anlegen, der im Verlauf der Stillmahlzeit nachlässt. Die Haut bleibt dabei meist intakt.

Bestehen Schmerzen während der gesamten Stilldauer oder treten Verletzungen auf, ist eine weitere Abklärung sinnvoll.

Häufige Ursachen für Schmerzen beim Stillen

 

Mechanische Ursachen

 

Die häufigste Ursache ist eine mechanische "Über-und/oder Fehlbelastung" der Brustwarze, meist durch:

  • suboptimales Anlegen

  • ungünstige Stillposition

  • ineffektives Saugmuster

Dies kann zu Schmerzen, Mamillenläsionen und anhaltender Reizung führen.

Orale Restriktionen und funktionelle Einschränkungen

 

Bei manchen Säuglingen können Einschränkungen der Zungen-, Lippen- oder Mundfunktion zu Stillproblemen beitragen.

Hierzu zählen beispielsweise funktionell relevante orale Restriktionen wie ein verkürztes Zungenband sowie andere Faktoren, die die Beweglichkeit oder Koordination der am Saugen beteiligten Strukturen beeinflussen.

Mögliche Folgen sind:

  • erschwerte Brusterfassung

  • ineffektiver Milchtransfer

  • kompensatorische Saugmuster

  • verlängerte Stillmahlzeiten

  • Schmerzen oder wiederkehrende Verletzungen der Brustwarze

​​

Mögliche Hinweise können sein:

  • anhaltende Schmerzen trotz Optimierung von Anlegetechnik und Stillposition

  • häufiges Abrutschen von der Brust

  • Klickgeräusche oder wiederholter Verlust des Vakuums

  • auffällige Trinkmuster

  • unzureichende Gewichtszunahme

 

Die Diagnostik oraler Restriktionen erfordert spezielle Kenntnisse und sollte durch entsprechend geschulte Fachpersonen erfolgen. Entscheidend sind nicht nur anatomische Befunde, sondern vor allem deren funktionelle Auswirkungen auf Stillen, Milchtransfer, Gewichtsentwicklung und die Beschwerden von Mutter und Kind.

Störungen der Milchmenge und des Milchflusses

 

Sowohl eine zu hohe als auch eine zu geringe Milchmenge können Schmerzen begünstigen.

  • Übermäßige Milchbildung kann zu Spannungsgefühl und Milchstau führen

  • Verminderter Milchtransfer kann dazu führen, dass Kinder häufiger oder länger saugen, wodurch Beschwerden der Brustwarze begünstigt werden

Entzündliche Ursachen

  • Milchstau (lokale Verhärtung, Druckschmerz)

  • Mastitis (Schmerzen, Rötung, ggf. Fieber)

  • Brustabszess

  • andere seltene Krankheitsbilder

Diese Zustände erfordern eine rasche und gezielte Behandlung.

 

​Vasospasmus der Brustwarze

Charakteristisch hierbei sind:

  • Farbveränderungen (weiß, bläulich, rötlich)

  • stechende und/oder brennende Schmerzen

  • Beschwerden insbesondere nach dem Stillen, häufig bei Berührung und Kälte

 

Vasospasmen können sowohl Folge einer mechanischen (Über-)Belastung der Brustwarze (zum Beispiel durch suboptimales Anlegen und/oder ineffektives Saugen) als auch Ausdruck einer individuellen Gefäßempfindlichkeit sein.

Infektionen

  • Candida-Infektion (Soor)

  • bakterielle Infektionen

  • selten virale Infektionen

 

​Infektionen können zu brennenden, anhaltenden Schmerzen führen und bedürfen einer spezifischen Therapie. Die Diagnose sollte jedoch sorgfältig gestellt werden, da insbesondere die Ursache persistierender Brust- und Brustwarzenschmerzen nicht immer eindeutig ist.

Weitere Differentialdiagnosen​

  • dermatologische Erkrankungen (z. B. Ekzeme)

  • anatomische Besonderheiten beim Kind und/oder der Mutter

  • muskuloskelettale Faktoren (z. B. Verspannungen)

  • psychische Komponente:  Genau wie sich chronische Schmerzen auf das psychische Wohlbefinden auswirken, können umgekehrt auch Erschöpfung, Stress und seelische Belastungen die Schmerzwahrnehmung negativ beeinflussen.

Wann sollten Schmerzen abgeklärt werden?

Eine Abklärung ist sinnvoll bei:

  • anhaltenden Schmerzen

  • Schmerzen während der gesamten Stillmahlzeit

  • Schmerzen zwischen den Stillmahlzeiten

  • sichtbaren Veränderungen der Brustwarze

  • Fieber oder Krankheitsgefühl

  • Unsicherheit und offene Fragen

Behandlung und Vorgehen

Die Behandlung hängt von der Ursache ab – aber häufig helfen:

  • Optimierung von Stillposition und Anlegetechnik

  • gezielte Diagnostik (z. B. Zungenband, Saugverhalten)

  • Unterstützung der Milchbildung

  • Behandlung von Entzündungen oder Infektionen

  • körperorientierte Maßnahmen (z. B. bei Verspannungen)

  • psychische Komponente beachten

  • Schmerztherapie (ggf. medikamentös)

Eine reine Symptombehandlung ohne Ursachenklärung ist meist nicht ausreichend!

Fazit

 

Schmerzen beim Stillen sind häufig, sollten jedoch nicht einfach hingenommen werden. Die Ursachen reichen von mechanischen Belastungen über orale Restriktionen und funktionelle Einschränkungen bis hin zu entzündlichen, dermatologischen oder vaskulären Veränderungen. Eine frühzeitige und sorgfältige Ursachenklärung kann helfen, Beschwerden zu lindern und die Stillbeziehung langfristig zu unterstützen.

Über die Autorin

Dr. med. Marianne Haidl-Figar ist Ärztin, IBCLC-zertifizierte Still- und Laktationsberaterin sowie von der MedUniWien-zertifizierte Schlafcoach und Beraterin für Säuglings- und Kleinkindschlaf. Sie begleitet Familien bei Fragen rund um Stillen, Milchbildung, orale Restriktionen, Zufüttern, Beikost und Schlaf im ersten Lebensjahr und darüber hinaus. Ihr Beratungsansatz verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer individuellen, wertfreien und alltagsnahen Begleitung von Familien.

Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden, Unsicherheit oder gesundheitlichen Problemen sollte eine individuelle ärztliche oder stillberaterische Abklärung erfolgen.

Literatur

Academy of Breastfeeding Medicine. ABM Clinical Protocol #26: Persistent Pain with Breastfeeding. Breastfeeding Medicine. 2016;11(2):46–53.

Mitchell KB, Johnson HM, Rodriguez JM, et al. ABM Clinical Protocol #36: The Mastitis Spectrum, Revised 2022. Breastfeeding Medicine. 2022;17(5):360–376.

Douglas PS. Re-thinking lactation-related nipple pain and damage. Women's Health (London). 2022;18:17455057221087865.

Amir LH. Managing common breastfeeding problems in the community. BMJ. 2014;348:g2954.

Francis DO, Chinnadurai S, Morad A, et al. Treatments for Ankyloglossia and Ankyloglossia With Concomitant Lip-Tie. Pediatrics. 2015;135(6):e1467–e1474.

Victora CG, Bahl R, Barros AJD, et al. Breastfeeding in the 21st Century: Epidemiology, Mechanisms, and Lifelong Effect. The Lancet. 2016;387(10017):475–490.

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Dr. med. Marianne Haidl-Figar, IBCLC

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